Archiv für August 2012

24. August 2012

Mallorca: elegante Weine und Häppchen

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Dass sich die spanische Küche in den vergangenen Jahren vollkommen gewandelt und modernisiert hat, ist für kulinarisch Interessierte nichts Neues. Das Gleiche gilt offenbar auch für den Wein. Während Ferien auf der Insel konnte ich jedenfalls zwei Winzer besuchen, die modernen balearischen Wein produzieren..

Die Bodega Miquel Oliver in Petra ist ein Familienunternehmen, das seit 100 Jahren existiert. Pilar, die den Betrieb in vierter Generation führt, ist eine der nettesten Spanierinnen, die ich schon getroffen habe. Sie zeigte uns dann aber auch, dass sie nicht nur netten, sondern richtig guten Wein macht. Besonders geschmeckt (blumig in der Nase, aber nicht süss) hat uns der Muscat, der als erster trocken ausgebauter Muskatwein in Spaniens Geschichte einging und in den 90er-Jahren als bester spanischer Weisswein ausgezeichnet wurde.

Weniger Tradition, dafür ganz viel Experimentierlust bringt Miquel Gelabert aus Manacor in seine Flaschen. In den 80er-Jahren startete der gelernte Koch mit einer kleinen Weinproduktion. Er kultiviert rund 30 verschiedene Traubensorten, darunter auch solche, die auf Mallorca als ausgestorben galten. Die vielen verschiedenen Sorten machen wirtschaftlich natürlich keinen Sinn, da ein solcher Weinbaubetrieb sehr aufwändig ist. Doch die Arbeit lohnt sich. Gelaberts Stolz - zu Recht - ist der Rotwein Gran Viña Son Caules, der aus 80 bis 90 Prozent der autochthonen Callet-Traube gekeltert wird. Ein eleganter Wein, der gemäss Gelabert auch ein grosses Alterungspotenzial hat. Jedes Jahr, erzählt er uns in der kleinen Degustationsküche, versuche er einen neuen Wein zu entwickeln: “Ich brauche das Experiment.” Zum Wein servierte Gelabert eine hausgemachte Sobrasada, eine Art Wurst, die aus ungekochtem Schweinefleisch, Salz, Pfeffer und Paprika besteht. Jeweils im Winter kauft Gelabert ein ganzes Schwein der Rasse Cerdo Negro und verarbeitet es komplett zu mallorquinischen Spezialitäten. Auf Nachfrage verkaufte er uns eine Sobrasada mit.

Sympathisch bei beiden Besuchen: Man steht einfach mitten im alten Gewölbekeller, ohne Schnickschnack eingerichtet. Uns hat das gefallen und ich empfehle eine Nachahmung - beide Winzer versicherten, dass das fast immer möglich sei, idealerweise mit Voranmeldung. Wir hatten sogar unseren kleinen Sohn dabei, der sowohl bei Pilar (selber Mutter) als auch bei Miquel (frischgebackener Grossvater) in guten Händen war… Kaufen kann man mallorquinische Weine bei Mavino.ch – Gründerin Kerstin Künzle hat mir auch bei den beiden Winzern die Türen geöffnet.

Und für alle, die dann doch nicht nur trinken, sondern auch essen wollen, hier ein kleiner Tipp: Mit Freunden waren wir an der sehr schönen Cala Mondrago und kehrten auf dem Rückweg im Sa Placa in S’Alqueria Blanca ein. Ein modernes Tapas-Lokal, in dem uns einfach alles geschmeckt hat, von frittierten Tintenfischen über Fleischbällchen bis zu Boquerones. Die Tische stehen mitten auf dem Dorfplatz, was sehr pittoresk ist, allerdings reserviert man mit Vorteil einen Platz, der nicht an der Strasse liegt. Vor allem, wenn man mit kleinem Kind unterwegs ist, so wie wir.

Pilar Oliver.

Pilar Oliver vor ihren Barrique-Fässern.

Miquel Gelabert.

Miquel Gelabert (r.) in seinem Weinkeller in Manacor.


Kategorie: Alle Artikel, Unterwegs, Wein
22. August 2012

Bodenseekaviar, Bergkartoffeln, Buchweizenhonig

“Das kulinarische Erbe der Alpen”. So heisst ein Buch, das ab Ende Jahr wohl im Regal eines jeden Foodies stehen wird. Es geht darin nicht etwa um Älpler Magronen oder Capuns. Vielmehr haben Fotograf Sylvan Müller (vielen von euch vielleicht schon durch dieses Projekt bekannt) und Autor Dominik Flammer im Alpenraum von Slowenien über Österreich und Südtirol bis in die Schweiz Delikatessen aufgespürt, die lange Geschichten haben oder weltweit einmalig sind.

Manche der 50 Trouvaillen muten fast schon exotisch an – obschon sie fast direkt vor unserer Nase entstehen. Für die Lebern von Süsswasserfischen etwa sollen gemäss den Buchautoren bereits die Römer gemordet haben - aber kaum einer von uns hat sie schon gekostet.

Die Geschichte dazu sowie auch zu den Produzenten von Bergkartoffeln oder Buchweizenhonig erfährt man demnächst zwischen zwei Buchdeckeln. Voransichten der Fotos, die man da und dort schon sehen kann, lassen auf ein grosses Werk hoffen, das nicht nur geschichtlich sondern auch optisch ein Schmaus sein wird.

Und: Über die Schweizer Crowdfunding-Plattform wemakeit.org kann man sich jetzt (nur noch 7 Tage!) an der Buchherstellung beteiligen. Natürlich zahlt man nicht nur ein, man erhält dafür auch ein Buch - oder Delikatessen aus dem Alpenraum. (Gerade sehe ich, dass die 22′000 angestrebten Franken schon fast erreicht sind - doch man darf auch darüber hinaus gehen - gekostet hat die zweijährige Arbeit der Buchmacher wohl um ein Vielfaches mehr…).

So oder so ist “Das kulinarische Erbe der Alpen” etwas, worauf man sich freuen darf.

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