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Und das schreiben und berichten die Medien im In- und Ausland über waskochen.ch (bis Juni 2004 wastun.ch):


Zürcher Koch-TV im Internet

Koch-TV
Am Schneidetisch: Lukas Rüegg und Esther Kern.
 

Gäste bekochen ist wieder in. Die Rezepte holt sich das junge urbane Publikum aus dem Internet. Zum Beispiel auf der Kochwebsite wastun.ch.

Von Simone Luchetta

Wer kennt das nicht: Um sechs noch im Büro und um acht stehen daheim Gäste vor der Tür. «Was kochen?», ist die grosse Frage. Ein Fall für wastun.ch . Die Rezeptsammlung im Internet richtet sich an ein junges, berufstätiges Publikum, das wenig Zeit, aber viel Lust auf eine kreative, gesunde Küche hat. Rasch ein leckeres Mahl anklicken, just den Einkaufszettel ausdrucken und auf dem Heimweg im Laden um die Ecke posten. «Jedes Rezept ist von uns Probe gekocht und gelingt garantiert», versichert Esther Kern, eine der Macherinnen von wastun.ch.

as beweisen die kurzen Videoclips auf der Website. Sie zeigen die Chefs de cuisine während der Kochsessions daheim hautnah beim Schälen, Hacken oder Dünsten. Man nennt sich darum auch gern «erstes Koch-TV im Internet». Die Köche stammen vorwiegend aus dem Freundeskreis. In letzter Zeit melden sich zunehmend aber auch wastun-User, die ihre Lieblingsgerichte im Netz präsentieren wollen.

Jede Woche kommt ein Rezept dazu. Wer will, kann es sich montags in die Mailbox schicken lassen. Das Webprojekt ging im März 2002 online, heute haben 2000 Leute den Newsletter abonniert.

Hinter dem ersten Koch-TV im Internet stecken drei Leute. Die 34-jährige Journalistin und Produzentin Esther Kern zeichnet für Idee, Konzept und den redaktionellen Inhalt von wastun.ch verantwortlich. Grafikerin Franziska Eriksen sorgt fürs passende Design, und Lukas Rüegg, Web-Spezialist mit Jahrgang 72 und eigener Internetfirma, kümmert sich um die Technik, macht das Hosting und die Webprogrammierung.

Für alle drei ist wastun.ch eng mit der sonstigen beruflichen Tätigkeit verknüpft. «Wir sind alle Profis», betont Esther, «alles geht Hand in Hand.» Wir sind in ihrem Atelier an der Zürcher Konradstrasse, das sie mit Grafikern und Multimedia-Leuten teilt. Hier werden auch die «Brutzel-Filme» fürs Web geschnitten und die Website bearbeitet.

Aus Skim.com gelernt

Esther, Lukas und Franziska kennen sich vom einstigen Dotcom-Unternehmen Skim.com , dem interaktiven Fashion-Label, das weltweit Schlagzeilen machte, aber trotzdem Konkurs ging. Sie haben daraus gelernt. «Wir wollen mit wastun nicht die ganze Welt erobern, sondern ein lokaler Onlineservice bleiben», sagt Esther. Bewusst praktizieren sie eine Politik der kleinen Schritte. Zudem wollen sie schauen, wie wastun.ch ankommt, bevor sie das Angebot ausweiten. Die Dotcom-Projekte in den 90ern hätten den Service-Aspekt viel zu wenig berücksichtigt, meint Esther. «Man wollte einfach hip sein, aber niemand schaute, was die Leute wirklich wollen.»

Anders bei wastun.ch . Die Idee dazu entsprang dem eigenen Bedürfnis. Oft sei sie im Laden gestanden und hätte nicht gewusst, was sie für ihre Gäste kochen sollte, erzählt sie. Jetzt will sie Leute inspirieren, denen es auch so geht. Oder neu auch mit Ausflugstipps urbane Spätaufsteher befügeln. Esther: «wastun.ch soll zum Ort werden, den du aufsuchst, wann immer du dich fragst "was tun"?». Deshalb auch das Internet: Es ist immer verfügbar.

Rezept als MMS aufs Handy

Besonders stolz sind die wastun-Leute auf ihren MMS-Dienst: Sie schicken das Wochenrezept mit Bild per MMS aufs Handy - ein Service, den keine der berühmten Rezepte-Sites im Netz bietet. Den Einkaufszettel haben Abonnenten so auf dem Handy immer dabei. Momentan läuft ein Pilot mit Sunrise, 140 Anwender haben den MMS-Service abonniert. wastun.ch verhandelt auch mit Orange und Swisscom. «Aber die Telcos sind an kleinen Content-Anbietern nicht interessiert», ärgert sich Lukas, «die wollen nur, was sofort Stutz bringt.» Für das Aufschalten des MMS-Dienstes verlangen sie zwischen 2500 und 3000 Franken, später ist eine monatliche Umsatzgebühr von mindestens 500 Franken fällig. Zu viel für ein feines Projekt, das seine Dienste bis heute gratis anbietet. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Dennoch soll wastun.ch mittelfristig Geld einbringen. Immerhin investieren die Macher heute die Hälfte ihrer Arbeitszeit. Das Konzept sieht deshalb Anzeigenkunden, Partner, Sponsoren vor. Mit ein paar Tausend Franken ist man als Sponsor dabei, eine simple Anzeige gibts ab 600 Franken.

Doch die Sponsorensuche gestaltet sich schwierig, «ein hartes Pflaster», nennt es

Esther. Sie hat sich in den letzten Wochen hartnäckig durch die Chefetagen der «Grossen» der Schweiz telefoniert, Banken, Migros, Coop abgeklappert - ohne Erfolg. Jetzt klopft sie auch bei kleineren Firmen an. Am liebsten hätte sie themenverwandte Partner, «damit wir uns gegenseitig Kunden zuschanzen können». Ideal ist etwa die bestehende Verbindung mit dem Zürcher Home Delivery Service Lily's. Auch dieser spricht mit asiatischen Gerichten plus DVD-Heimlieferung eine junge städtische Klientel an, die gern mal daheim bleibt.

An Ideen mangelt es den wastun.ch-Machern nicht. Die Visionen reichen vom Weinhändler, der zu jedem Gericht den passenden Wein empfiehlt, über den wastun-Stand mit den Zutaten fürs Wochen-Gericht beim Coop-Eingang, bis zum Onlineeinkauf der Zutaten bei einem Partner. «Leider hat momentan kaum jemand Lust auf Experimente», sagt Esther.

Gott sei Dank, trifft das nicht aufs Kochen zu. Deshalb ein heisser Tipp: die marokkanischen Lammracks auf wastun.ch . Sie schmecken herrlich fremd, machen sich gut, sind im Nu gezaubert und setzen minimale Kochkunst voraus.

(TA) [20.06.2003]



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